Foto: © Oliver Ott / RADIO fresh80s; Mit freundlicher Genehmigung von Oliver Ott

"Könige der Welt": Geier Sturzflug unplugged (Albumbesprechung)

Cover: "Könige der Welt"; Pucky Music 2015

 

Am 10. Februar 2015 war es endlich soweit. Das neue und langerwartete Album von Geier Sturzflug hielt auf allen gängigen Downloadportalen Einzug. Wenn auch erst einmal "nur" als Mp3-Version. Die physische CD ist ab 18. April (z.B. SATURN, Media-Markt etc.) über den Handel zu bestellen.

 

Wo Geier Sturzflug draufsteht, ist auch Geier Sturzflug drin. Wenn auch, zur Freude jedes musikbegeisterten Herzens, selten so, wie der ein oder andere es vielleicht erwartet (hat). Friedel Geratsch ist ein kreativer Kopf. Ein Musiker mit Leib und Seele. Seine Seele findet man in der Musik. In seinen Texten. Er schreibt Songs, die 'mal sehr persönlich sind und auf der anderen Seite, der Welt, in der wir leben, kritisch und in einer ganz eigenen Art und Weise den Spiegel vor's Gesicht hält. Immer in einer Sprache, die verständlich und fühlbar ist.

 

Das neue Album ist in jeder Hinsicht "Neu". Es ist nicht nur das aktuelle, mittlerweile neunte Album (ohne jegliche Best-of-Variante), sondern auch das erste unplugged-Album überhaupt in den gut 36 Jahren aktiven Musiker-Daseins. Geier Sturzflug & Freunde ist als Interpret angeführt, da diverse Musiker auf dem Album mitgespielt haben. Sie haben eine mehr als hörenswerte Arbeit abgeliefert.

 

Das Cover lädt ein "Könige der Welt" näher an sich heranzulassen. Eine positive Atmosphäre breitet sich beim genaueren Betrachten der Figuren, der "Könige" auf dem Cover aus. Nicht allein die hellen freundlichen Farben sprechen an, sondern auch und gerade die Figuren. Die Könige. Sie lachen, tanzen. Vielleicht sogar gemeinsam. Verschiedene Könige. Verschiedene Länder. Aber eine Gemeinsamkeit. Die Freude. Die Musik. Das Tanzen. Musik verbindet. Musik ist nicht nur eine Sprache über Töne und gesungene Worte, sondern vor allem eine Herzens-Sprache. Musik muß man Fühlen. Man kann sie nicht verstehen. Und fühlen kann man nur mit dem Herzen. Das berühmte Zitat von Antoine de Saint-Exupéry aus "Der kleine Prinz" von 1946: "...man sieht nur mit dem Herzen gut...", bringt es auf den Punkt. Hier kann uns der Verstand nicht weiterhelfen. Wir müssen fühlen!

 

Und auf das Gefühl sollte man sich beim Anhören des Albums unbedingt einlassen. 15 Titel mit einer Gesamt-Spieldauer von gut 55 Minuten möchten sich ihren Weg suchen. Zu finden sind 5 brandneue Songs und 10 Lieder der letzten 36 Jahre. Unter den 10 bereits bekannten Titeln, befinden sich selbstverständlich auch alle großen Hits der Geier Sturzflug-Erfolgszeit. "Bruttosozialprodukt", "Besuchen sie Europa", "Pure Lust am Leben" und "Einsamkeit".

Ein besonderes Highlight ist der absolute Klassiker, der zwar nie als Single veröffentlicht wurde, aber immer ein "heimlicher" Hit war: "Karibische Gefühle". Auch er erstrahlt in einem neuen und mehr als gelungenem unplugged-Gewand. Musikalisch hervorragend umgesetzt, neu interpretiert und mit treffsicheren kleineren und größeren instrumentalen Leckerbissen versehen. Schon das Akkordeon am Beginn haucht einem das Gefühl einer sanften Meeresbrise ein. Auch wenn man vielleicht gerade auf dem Balkon steht, umringt von Betonklötzen, Straßenlärm und der kalte Wind einem einen Kälteschauer nach dem anderen über den Rücken jagt. Die Stimme von Friedel Geratsch klingt glockenhell und klar. Dieser Song wird sicher so manchem CD-Player die x-te Wiederholug abverlangen.

 

Anspieltipps von den bekannten Songs sind auf jeden Fall: "Pure Lust am Leben", "Leichtes Leben" und "Ich sag' nicht gern auf Wiedersehen". Anhören, zuhören - wirken lassen.

Geier Sturzflug-Fans werden natürlich ganz besonders auf die neuen Stücke gewartet haben. "Gehst du mit mir" wurde bereits im Juni 2014 als Single und Download veröffentlicht und ist daher den meisten sicherlich bekannt.

 

"Kohle", "Könige der Welt", "Das Leben ist da um zu leben", "Schon wieder August" und "Schreib deinen Namen auf mein Herz". Das sind die Namen der neuen Titel.

 

Während sich "Könige der Welt" leicht und beschwingt auf eine sehr intelligente Weise mit einem Neubeginn beschäftigt, kommt dagegen "Schon wieder August" melancholisch, traurig, verletzlich aber immer sehr reflektiert daher. Dieser Song geht unter die Haut. Die etwas heisere, in den Strophen tiefere Gesangs-Stimme von Friedel Geratsch bewegt tief und läßt beim Hörer Assoziationen der eigenen Lebensgeschichte oder innerer Bilder zu. Im Refrain: "...es ist schon August, schon wieder August und der Schmerz, der Schmerz vergeht..." wird tief ein Blick auf eine Moment-Bestandsaufnahme sichtbar, untermalt mit einem perfekt verzweifelt-traurig klingenden Gitarren-Solo. Von Refrain zu Refrain steigert sich eine Intensität, die ihresgleichen sucht. Der Sänger Friedel Geratsch findet sanfte und abgeklärte Töne für Textzeilen wie: "...grad wird man geboren, schon ist es vorbei - es lohnt sich nicht zu warten oder immer nett zu sein..." Ein Song, der musikalisch ein kleines Meisterwerk in sich ist. Textlich schafft es Geratsch eine fast intime Nähe zu sich selbst und dem Hörer aufzubauen. Übrig bleibt die Hoffnung. Die Hoffnung und die Gewißheit, daß jeder neue Tag ein neuer Anfang ist (sein kann).

 

"Das Leben ist da um zu leben". Allein der Song-Titel ist ein Statement, daß auch ganz für sich allein stehen kann. Jeder kann sein Leben nur so leben, wie er es kann. Richtig oder falsch? Das weiß man oft erst hinterher. Gute Laune ist hier garantiert.

 

Ebenfalls sehr persönlich und mit einem leichten Augenzwinkern geht es bei "Kohle" weiter. Fazit: Auf dieser Welt ist und wird man nichts ohne Kohle, Schotter, Kies. Man bekommt auch nichts ohne Euronen und sonstige Währungen. Alles dreht sich halt um Kohle. Existenziell könnte man die Frage auf die Spitze treiben: "Wer oder was bist du oder ich, wenn du keinen einzigen Cent hättest? Gibt es dann noch jemanden der zu einem steht? Und was ist ohne Geld auf dieser Welt überhaupt mach- oder lebbar?

 

"Schreib deinen Namen auf mein Herz"  ist ein gefühlvoller Song, der sich schon beim ersten Hören als ein Ohrwurm präsentiert. Von einer tiefen Verletzung ist die Rede. Und der Hoffung, daß jemand diese Wunden heilen kann.

 

Fazit: "Könige der Welt" ist anders. Nicht nur, weil es ein akkustisches Album ist, sondern auch sehr persönlich wirkt. Anders persönlich als "Hör auf zu weinen" von 2009.

Es ist eine Mischung aus den unterschiedlichsten Emotionen und Erfahrungen. Wiedergespiegelt in einem textlichen Potpourri des Lebens. Dadurch, daß ein Akkustik-Album musikalisch ja ohnehin reduzierter, eben minimalistischer daherkommt, wird der Hörer auf eine sehr persönliche Reise mitgenommen. Keine Ablenkung durch viele technische Raffinessen. Purer Musikgenuß. Lebensnahe, teilweise eindringliche Texte. Interpretiert von einer Stimme, die allen 15 Songs auf dem Album das gewisse Etwas gibt.

 

Um auf die "Könige der Welt" auf dem Cover noch einmal zurückzukommen: Sie tanzen. Sie singen. Egal aus welchem Land. Sie tun es gemeinsam. Jeder einzelne von uns ist ein "König dieser Welt". Gemeinsam sind wir viele "Könige dieser Welt".

Geier Sturzflug haben mit diesem Album ein sehr kraftvolles und zugleich sensibles Werk herausgebracht. Friedel Geratsch hat erneut bewiesen, daß er ein Texter ist, der genau beobachtet, hinschaut und es dann versteht die richtigen Worte zu finden. "...das Leben ist da um zu leben, eine Gebrauchsanweisung gibt's nicht... es geht nur nach vorn - nicht zurück, das Leben ist da um zu leben, ich wünsch' dir viel Glück..." Was will man dieser Aussage noch hinzufügen?

 

Copyright by Daniela Herbig

 

Kommentare

Diskussion geschlossen
  • piksele (Donnerstag, 03. September 2015 05:57)

    Thanks a ton for sharing your nice web page. piksele

  • ripoffreport (Freitag, 19. Juni 2015 15:54)

    I treasure the content on your web site. Regards!

  • Thomas (Mittwoch, 18. Februar 2015 18:36)

    Sehr schön! Tolle Besprechung eines tollen Albums. Da saugt man doch jeden Song und jeden Satz einzeln in sich auf!
    Herrlich, das es Geier Sturzflug immer noch gibt!

  • H.-Johannes (Mittwoch, 18. Februar 2015 16:23)

    Eine sehr schöne, warme Albumbesprechung. Schon allein sie macht neugierig auf das gesamte Album. "Karibische Gefühle" kenn ich ja schon. Aber das mit der "Meeresbrise" ist einfach nicht zu leugnen.
    Ob auch alle anderen zutreffend sind, werde ich mir demnächst anhören.