Foto: © Oliver Ott / RADIO fresh80s; Mit freundlicher Genehmigung von Oliver Ott

Wir sind alle "Könige der Welt": Oder wie Radio B2 einen mutigen Schritt wagte

 

Als Künstler/Interpret seine Songs im Radio zu hören, war und ist immer etwas ganz Besonderes. Es ist eine Art Anerkennung für das geschaffene Werk. Als "Fan" einer Gruppe oder eines Sängers ist es ein ähnliches Erlebnis. Endlich den neuen Song der Lieblings-Band im Radio zu hören. Gleichzeitig mit allen anderen, die ebenfalls gerade den entsprechenden Klängen lauschen, die sich ihren Weg aus den Lautsprecherboxen suchen... Irgendwie verbindet das. Auch, wenn man über Geschmack bekanntlich nicht streiten kann. Vielleicht finden die "anderen" am gegenüberliegenden "Frequenz-Ende" das Lied gar nicht so überzeugend. Haben möglicherweise auch in dem Moment gar nicht zugehört. Zwischen Hausarbeit, E-Mails beantworten, Schularbeiten oder sonstigen kleineren und größeren alltäglichen Dingen, die erledigt werden wollen. Finden das Lied sogar einfach nur furchtbar. Der ein oder andere singt vielleicht  just in diesem Augenblick die gleiche Zeile laut mit. Möglich ist alles.

 

In einer reizüberfluteten Welt wie unserer, wird es immer schwerer gehört zu werden. Und sich vor allem langfristig Gehör zu verschaffen. Zu viel auf einmal. Überall. Permanent. Die Aufmerksamkeit jedes Einzelnen ist auf zig verschiedene Dinge verteilt. Da muß schon gut gefiltert werden, was man an sich heranläßt und was nicht. Was ist wirklich wichtig? Worauf konzentriere ich meine Aufmerksamkeit?

 

Vor dem gleichen Problem stehen auch die Medien-Leute: Zu viele oder zu wenige Informationen. Keine Zeit zum Recherchieren. Quote, Auflage - Aufmerksamkeit erzeugen. Oft scheint Quantität vor Qualität zu siegen. Kurz. Schnelllebig. Und morgen auch schon wieder vergessen. Was auch immer. Auch die Radio-Stationen sind davon betroffen. Bei manchen Sendern kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, daß dort nicht nur die Zeit stehengeblieben ist und täglich das Murmeltier grüßt, weil immer die gleichen Titel laufen. Tagein, tagaus. Monoton. Im Gleichschritt. Nur der Wetterbericht, Nachrichten und der Verkehrsservice bringen manchmal ein bißchen Abwechslung in die erstarrten Strukturen.

 

Deutschsprachige Songs hatten es schon immer schwerer sich im Radio durchzusetzen. Waren die Titel dann auch noch gesellschaftskritisch, war die Mauer gleich doppelt so hoch, um den Weg in die Playlisten der unzähligen Sender zu finden. Vielleicht hatte man sich aber auch nur erschrocken, weil man plötzlich verstand, was da gesungen wurde, was man eigentlich lieber nicht hören wollte. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Es ist ja nicht so, daß wir keine "gute" und "anspruchsvolle" Musik hätten - sie ist ja da. Nur hört man im Radio eher selten davon.

 

Das Leben ist bunt. Voller unterschiedlicher Farben. Spaß, Freude, Traurigkeit, Ernshaftigkeit, Liebe. So bunt wie das Leben sollte auch Radio sein. Denn dieses Medium ist eigentlich etwas ganz Wunderbares. Es regt zur Fantasie an. Radio-Kopf-Kino. Oder hast du dir nie vorgestellt, wie der lustige Moderator aus der Früh-Sendung, der so eine tolle Stimme hat, denn nun aussehen würde? Das kennt doch jeder. In Zeiten der digitalen Vernetzung jedoch ist aber selbst das "reale" Aussehen der Moderatoren bei den meisten Sendern kein Geheimnis mehr. Auf den Internetpräsenzen der Hörfunk-Stationen kann das Kopf-Kino schnell "überprüft" werden.

 

Radio kann so spannend und vielfältig sein und erinnert uns auch an Toleranz. Denn es sind nicht nur die Radio-Macher auf dem "falschen" Weg, wenn das Programm nur noch streng durchformatiert ist, sondern auch die Hörer. Die einen mögen Schlager. Die anderen Pop, Rock oder welche Richtung auch immer. Wenn die Pop-Fans auf die Schlagermusik mit Intoleranz reagieren und umgekehrt, wird es schwierig sein, ein wirklich buntes und lebendiges Radio-Programm zu gestalten. Dann können wir auch gleich bei den Sparten-Sendern bleiben. Ein Programm, in dem viele unterschiedliche Musik-Stile nebeneinander bestehen können, wäre mehr als wünschenswert. Dass das in der Musik möglich ist, wird am Beispiel von Helene Fischer deutlich. Dort schaffen es Heavy-Metal-Fans, Fans von Hard-Rock, Schlager und Pop friedlich und mit Begeisterung sich gemeinsam zu begegnen und Spaß an der Sache zu haben.

 

Die Sender sind abhängig von den Hörern und die Hörer abhängig vom Sender, wenn sie ihre Lieblings-Künstler im Radio hören wollen. Es geht also nur gemeinsam. Und im gegenseitigen Verständnis und Vertrauen. Mut zum Wagnis.

 

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an radio B2, die Geier Sturzflug mit der aktuellen Single "Könige der Welt" in ihrer Hitparade als Neu-Vorstellung den Hörern zur Wahl angeboten haben und damit einen mutigen Schritt gewagt haben.

 

Es wird Zeit, daß Geier Sturzflug und andere Künstler mit deutschen Texten wieder Einzug halten in die formatierte Radio-Landschaft! Aber das geht eben nur gemeinsam!