Das Fernsehen hat's auch nicht leicht

 

Schreiben und eine Meinung zum Fernsehprogramm haben, kann ich nur über das deutsche. Die anderen kenne ich nicht. Und ehrlich gesagt, interessieren sie mich auch nicht so sonderlich, da dafür die Zeit ohnehin nicht da wäre. Zeit? Da war doch was? Ein paar Gedanken zum Thema Zeit gab es schon an anderer Stelle.

 

Über das (deutsche) Fernsehen wird viel geschrieben. Meistens negativ. Auch das hat seine Berechtigung. Jedenfalls sind das die Berichte, die mir so unter die Finger kommen. Jedoch hörte ich auch des öfteren, daß unser Fernsehen noch das Beste sei, wenn auch das Teuerste. Man kann jetzt darüber streiten, welche Aussage sich vielleicht daraus ableiten ließe, was das über unsere Gesellschaft allgemein aussagt und ob es überhaupt eine grundsätzliche Aussage ist.

 

Ob das TV-Programm nun schlechter als vor zwanzig oder dreissig Jahren ist, weiß ich nicht, denn auch das ist Ansichtssache. Und unterliegt unglaublich vielen Aspekten der persönlichen Bewertung. Was es aber mit Sicherheit ist: Themen, die noch vor zwanzig Jahren entweder in den Kinderschuhen steckten oder noch gar keine für die Öffentlichkeit waren, werden heute angesprochen und zum Thema gemacht. Und das oft auch gar nicht so respektlos, wie es oft dargestellt wird oder noch in den Köpfen verankert ist. Es hilft ein genaues Hinschauen. Überall, weltweit ereignen sich ständig irgendwelche Dinge. Durch die immer stärker werdende Vernetzung untereinander, haben auch die Fernseh-Macher sicher nicht gerade ein "leichtes Spiel" zu vollbringen die Menschen vor den Bildschirmen zu unterhalten und zu informieren. Völlig ausser acht gelassen, daß tatsächlich auf fast jedem Kanal die gleichen Nachrichten laufen. Dennoch gab es gerade in der letzten Zeit mehr denn je mutige Reportagen und Dokumentationen zu Themenbereichen, die früher kein Fernseh-Verantwortlicher gesendet hätte. Daß auch (gerade) Medienleute vielleicht oft und verständlicherweise überfordert sind von der Informationsflut und dem Herausfiltern, der nun erwähnenswerten Dinge, liegt auf der Hand. Aber ich behaupte, daß es immer wieder gelingt gute und vor allem verantwortungsbewußte Formate und Sendungen unter's "gemeine Fernseh-Volk" zu bringen. Fernsehen zu schauen ist heute nichts Besonderes mehr. Zu viel weiß man schon, wie eine Sendung produziert wird oder wie's ein wenig hinter den Kulissen zugeht. Die Illusion der Fernseh-Welt hat sich schon in sämtliche Himmelsrichtungen verteilt. Besonders bewußt wird mir das, wenn ein Kind ganz gebannt auf den Bildschirm starrt und völlig fasziniert  ist von dem, was es da sieht. Und staunt! Dieses Staunen ist auch bei mir manchmal noch da. Nämlich dann, wenn ich spüre, daß sich da Leute ganz viel Arbeit gemacht haben, ihr Herzblut investiert haben und das "schlimme" Wort Quote nicht einmal ansatzweise in den Köpfen war. Sondern vorrangig eine möglichst gute Arbeit abzuliefern. Wenn Redakteure schwierige Themen zu einfühlsamen und informativen Berichten formen und mit den Protagonisten respektvoll und angemessen umgehen. Um dann dadurch wieder eine Sensibilisierung in der Öffentlichkeit zu schaffen. Wunderbar, wenn das gelingt. Und das ist nicht wenig! In 24 Stunden-rund- um-die-Uhr-Programm! In meiner Fantasie habe ich mir manchmal versucht die "andere Seite" vorzustellen. Das hilft übrigens generell ganz gut, wenn man sich auch einmal in das jeweilige Gegenüber hineinversetzt. Oft bekommt man einen sehr notwendigen Blick auf diese Perspektive. Eben der "anderen Seite". Wie würde es sich anfühlen, wenn ich Programmchef wäre? Wie soll ich denn als Fernseh-Boß die Menschen zufrieden gestellt bekommen, wenn Fernsehen ansich diesen Wert gar nicht mehr hat? Das liegt nicht nur am Fernseh-Programm allein. Die einen wollen Unterhaltung, wenn sie müde und gestreßt von der Arbeit kommen. Andere brauchen den Fernseher als Schlafmittel. Nicht toll für die Macher, aber Alltag weltweit! Wieder andere wollen den "Anspruch" und würden im gesamten Programm wahrscheinlich "Arte" platzieren. Es ist nicht leicht. Und das bitte alles auch noch um 20.15 Uhr. Der (immer) noch Prime-Time. Das ist beim besten Wilen nicht zu schaffen, oder nur durch ganz starke Veränderungen, die im Prinzip alle Sender vollziehen müßten. Sich dann sogar aufeinander und miteinander abstimmen müßten und das Konkurrenzdenken gegen ein "Ergänzungsdenken" austauschen sollten. Das würde wahrscheinlich erst einmal die schwerste Disziplin sein... 

 

Insofern kommen die Mediatheken der meisten Sender auch schon gut zu ihrer Daseinsberechtigung. Nämlich, daß man sich, soweit vorhanden, die entsprechenden Sendungen anschauen kann, wann es für einen selbst am besten paßt. Klar, daß große Gemeinschaftgefühl, welches sich früher einstellte, wenn man frisch aus der Badewanne gekommen auf der Couch gesessen hat, um mit der ganzen Familie "Wetten daß..." zu schauen. Das hat man dann nicht mehr! Aber irgendwas ist halt immer. Das Perfekte gibt es selten. Ich könnte jetzt noch eine lange Liste einfügen, was das Fernsehen alles besser, anders machen sollte. Eine Sache gab gab es ja schon. ("Ich habe Nachrichten gesehen."), aber das ist ein ggf. "neues" Thema. Die positiven, mutigen Veränderungen im Fernsehen sind da. Ob bei den Privaten oder den Öffentlich-Rechtlichen. Es braucht noch den Mut (und leider auch das Geld) dies weiter beizubehalten und auszubauen. Und es braucht uns als Zuschauer der "neuen" Fernseh-Gemeinschaft". Was es aber in jedem Fall braucht sind Menschen, die das Herz am richtigen Fleck haben. Wie überall! Und eines sollten man ganz sicher nicht aus den Augen verlieren: Zwar darf auch in unseren Medien nicht alles erscheinen aus den unterschiedlichsten Gründen, aber wir haben noch eine gute und freie Berichterstattung im Gegensatz zu vielen anderen Ländern. Dafür ein bißchen Dankbarkeit, die aber auf keinen Fall ausschließt konstruktive Kritik zu äußern, damit sich etwas ändern kann!

 

Copyright by Daniela Herbig 2012

 

 

Anmerkung:

 

Dieser Text stellt nur einen kleinen Auszug meiner ganz persönlichen Gedanken zum Thema "Fernsehen" dar.

 



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