"Kulturschock"! - Oder wie "Radio Kärnten" an ein buntes Miteinander erinnert

 

Es ist passiert! Ja, es ist MIR passiert. Ich habe einen Kulturschock! Eingehandelt habe ich ihn mir, als ich mir "Noten und Anekdoten" mit Klaus Eberhartinger auf "Radio Kärnten" anhören wollte und auch angehört habe. Nein, bei den Erzählungen aus dem Leben von Klaus Eberhartinger ist es nicht geschehen. Aber beim Reinhören in das weitere Programm des Senders, welcher auch dem ORF angehört.

 

Eine bunte und breitgestreute Überraschungstüte, der auf den ersten Blick eigentlich nur ein kurzes Kopfschütteln und hilfloses Schulterzucken folgen kann. Pardon. Nicht auf den ersten Blick, sondern wohl eher bei dem ersten Hören. Meine Ohrmuscheln kräuselten sich in die unterschiedlichsten Windungen bei dem Aufnehmen dieser ungewöhnlich angeordneten Töne, die da den Weg aus den Lautsprecherboxen, direkt in das Innere der Gehörnerven fanden! Wow! Was ist DAS? Diese Österreicher! Durch das Hören der Musik der Band EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung) bin ich ja von den Österreichern eigentlich schon so einiges gewohnt. Man wundert sich nicht mehr wirklich. Und doch! "Radio Kärnten" ist eine Wundertüte des Aneinanderreihens der Gegensätze. Und zeigt damit, daß prinzipiell alles nebeneinander bestehen kann. Und könnte. Schlager, "schlagerhafteste Schlager", Popmusik, Chöre und traditionelle einheimische österreichische (Volks-;volkstümliche) - Musik. Alles geht. Alles darf! Das ist interessant. Inspirierend und ja, es ist ein Kulturschock! Das formatierte und oft spezialisierte Radio, läßt leider meistens wenig Spielraum für Kreativität. Oder gar Extreme. Natürlich hat auch "Radio Kärnten" seine immer wiederkehrenden Lieblingslieder in der Rotation, die sie dann auch spielen und spielen und spielen... Sei's drum. Dennoch ist es durchaus ein Programm, welches bereichernd sein kann. Einfach dadurch, daß sie diese Gegensätze nebeneinander stehen lassen. Mit einer Selbstverständlichkeit.

 

Für mich war es eine regelrechte Erfrischungskur! Spaß, Verwunderung, Lachen und seltsames Stirnrunzeln waren ganz oft meine ständigen Begleiter, als ich mich durch das Programm zu den unterschiedlichsten Uhrzeiten gleiten ließ. Mit einem imaginären Fallschirm ließ ich mich treiben. Und es hat so viele Dinge deutlich gemacht. Mit einem dicken, aber unsichtbaren Textmarker versehen. Toleranz und Akzeptanz. Im Radio können Schlager, Popmusik, Volksmusik, volkstümliche Musik und alle anderen sich begegnen und existieren, ohne, daß irgendeiner sich besser fühlen müßte als der andere. Die Musikstücke allein, haben dieses Problem nicht. Nur wir Menschen haben und machen uns diese Differenzen. "Schlager ist blöd" und "Popmusik toll" und umgekehrt sind nur zwei von vielen vorgefaßten und auch durchaus fest verankerten Denkmustern. Wohlbemerkt meine ich damit nicht, daß alles auch Geschmackssache ist und sein darf. Nur sollte es nicht zu Ausgrenzungen und Gehässigkeiten kommen, nur, weil man einen anderen Musikstil mag, als das Gegenüber. Oder wo auch immer.

Es war und ist jedenfalls ein wunderbarer Ausflug für meine kleinen hocherfreuten Öhrchen, wenn ich "Radio Kärnten" jetzt öfters besuche. Denn via Live-Stream macht das Internet es möglich, mich 'mal eben nach Österreich zu beamen. Und so ganz nebenbei sei noch vermerkt: Die Moderatoren machen ihren Job richtig gut. Ich jedenfalls, habe ihnen gerne zugehört und höre ihnen gerne zu. "Folgeschäden" hat das gewissermaßen aber schon hinterlassen: Denn, ich weiß jetzt zwar ziemlich genau, was in Kärnten so los ist, welches Tier gesucht wird, wie das Wetter ist und was so mancher Hörer, der bei der Sendung "Tausend Fragen" angerufen hat, zu Mittag gegessen hat, aber was zur Zeit in Berlin stattfindet, darüber bin ich im Augenblick nicht wirklich informiert. Doch wozu hat man Freunde und Bekannte. Irgendeiner kann mich ja auf den neuesten Stand setzen. Damit ich auch wieder hier richtig landen kann. Das Wetter ist jedenfalls nur unwesentlich anders in Kärnten als in Berlin. Und das ist doch auch was...

 

Copyright by Daniela Herbig 2013



 

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