Foto: © Peter Sommer; Mit freundlicher Genehmigung von Peter Sommer; www-fotopress-sommer.at

Das Idol Klaus Eberhartinger - Gedanken zu einem generationsübergreifenden Phänomen

Klaus Eberhartinger 2012; Foto: © Andreas Tischler

 

Ein paar "trockene" Fakten zum Aufwärmen:

 

Name: Klaus Peter Karl Eberhartinger

geb.: 12.06.1950 in Gmunden

Wohnort: Kenia (Diani Beach)

Sternzeichen: Zwilling

Werdegang: abgebrochenes Medizin-Studium, Psychologie ohne Dissertation, Frontmann der EAV, Sänger, Moderator, Schauspieler, Entertainer...

 

Er ist mittlerweile 64 Jahre. Alt oder jung? Der scheinbar ewig Junge. Der, bei dem alle besonders hingucken und nicht wahrhaben wollen, daß auch an ihm die Zeit nicht spurlos vorbei geht. Der einstige "Blonde mit den Locken". Sein Lachen hat er sich (leider) nie patentieren lassen, obwohl es so heilsam und ansteckend ist. Erreicht Verstecktes. Trauriges. Dann lacht man mit ihm. Nicht über ihn. Wenn es nach mir ginge, würde ich fast sagen: "Hey, Klaus - bring' eine CD heraus. Lies das Telefonbuch irgendeiner Stadt vor und lache möglichst viel dabei. Du hast keine Ahnung, wieviele Menschen Du damit glücklich machen würdest?! Und damit meine ich nicht die Verkaufszahlen.

 

Er ist der lebendige Geist. Schnell noch dazu. Auf der Überholspur. Die Daten in seinem Kopf erfaßt er im High-Speed-Verfahren. Doch er sagt, daß er auch schon langsamer geworden sei. Sagt er. Ist wahrscheinlich auch so. Das Alter eben. Er hat es nicht leicht. Denke ich. Denn er ist ein "Idol". Für viele. Damals wie heute. Ein Magnet. Die Menschen hören ihn gerne. Reden. Singen. Sie sehen ihn auch gerne. Und es gibt die, die mit ihm nichts anfangen können. Die, die ihn nicht verstehen oder mißverstehen. Die ihn abgrundtief "nicht leiden" können. Der "EAV-Blödler". Ob er das jemals los wird? Dieser Mensch, der als Künstler mindestens einhundert Gesichter und aufwärts hat, übt auf Männlein wie Weiblein gleichermaßen eine Faszination aus.

 

Er ist Vater. Hat einen Sohn. Das ist kein Geheimnis. Sein Privatleben möchte er nicht in der Öffentlichkeit wissen. Recht hat er. Geht auch niemanden etwas an. Und doch ist er für viele Menschen ein unsichtbares Familien-Mitglied. Er - bei anderen. Nicht die anderen bei ihm. Vielleicht aber doch. Der Klaus hat viele "Kinder". Ein paar davon kennt er sogar persönlich. Die Mehrheit nicht. Ich bezeichne einmal all seine Fans, als "seine Kinder". Denn manchmal scheint es, als wenn jeder der EAV-Fans ein kleines Stückchen unterschiedlicher Größe, Klaus bei sich trägt. Die einen hat er in ihrer Kindheit geprägt, andere eher in der Jugend und wieder andere waren schon erwachsen, als sie die EAV und deren charismatischen Frontmann für sich entdeckten. Und alle verbinden mehr oder weniger tiefgehende Veränderungen für ihr eigenes Leben. Durch das, was die EAV oder Klaus Eberhartinger in ihnen ausgelöst haben. Klaus Eberhartinger ist eine perfekte Projektionsfläche. Das "Hollywood-Portal" aus Österreich.

 

Natürlich habe auch ich sein Buch gelesen mit dem Klischee spielenden Titel "Sex, Lachs & Rock'n Roll". Paßt zu ihm. Zu dem Klischee. Zu dem Teil seines Lebens, welcher sich wahrscheinlich wirklich genauso und nicht anders abgespielt hat. Das Buch habe ich verschlungen. Fast in einer Nacht. Es liest sich gut. Man lacht und schmunzelt. Er hat halt diesen Schmäh. Diesen ganz bestimmten Charme, gepaart mit einer ordentlichen Dosis Charisma. 

 

Ich glaube, daß er sehr streng sein kann. Da ist dann etwas in seinen Augen! Alpha-Tier! Seine Augen wollen manchmal seinem Lächeln mit dem Mund nicht folgen. Da ist er dann wahrscheinlich nicht ganz bei sich selbst. Oder er will freundlich sein, obwohl ihm eigentlich gerade gar nicht danach ist. Ist in diesem Job auch nicht immer leicht. Freundlich-sein. Ein "Fan" freut sich vielleicht schon eine halbe Ewigkeit darauf ihm einmal persönlich zu begegnen. Und dann... ist er vielleicht genau in diesem Augenblick einfach nur genervt. Fan-Depression auf der einen Seite. Künstler-Pech auf der anderen. Sie treffen aufeinander wie zwei verschiedene Planeten. Schon in einer Stunde oder gar in zehn Minuten hätte das gleiche Spiel ganz anders ausgehen können. Aber Klaus Eberhartinger läßt sich fotografieren. Und gibt Autogramme. Wenn er es will und sein Termin-Kalender es zuläßt. Es gehört halt dazu. Zu dem, was er macht.

 

Viele Generationen verbinden mit ihm das Gesicht der EAV. Sicher die EAV ist der (künstlerische) Großteil seines Lebens. Wie wäre die EAV ohne ihn? Und Klaus ohne die EAV? Die EAV wird immer untrennbar mit ihm und umgekehrt ebenso verbunden sein. Auch, wenn es die Band nicht mehr geben sollte.

 

Klaus Eberhartinger ist ein Mysterium. Eine ganze Galaxie der Ahnungen, wie er denn nun wirklich ist. Er läßt sich nicht gern in die Karten schauen. Auf der anderen Seite trägt er oftmals eine Offenheit zutage, die einen schlichtweg manchmal wie ein kleines Ufo von einem fernen Planeten zurückläßt. Und man sich unweigerlich fragt: "Wie macht der das?" Präsenz ist das, was ihn auszeichnet, auch, wenn er gar nicht wirklich in dem Augenblick präsent ist. Früher habe ich oft beobachtet, wie er "gedanklich umherschwirrte". Zu viel. Zu schnell. Alles in seinem Kopf. Eine Wahrnehmung, die er in sich trägt, von der er aber wahrscheinlich nur einen Bruchteil davon nach außen bringt. Er ist ein Beobachter. Ein Seismograph. Aber er behält auch einiges für sich. Er ist engagiert. Setzt sich ein. Bezieht Stellung. Da, wo er meint, daß es richtig ist. Er hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Eberhartinger sei ein Star ohne Allüren. Habe ich oft gelesen. Glaube ich auch. Er ist zu erfahren, zu bodenständig um abzuheben. Hat viele Täler und Höhen des Lebens durchlaufen. War "ganz unten", um dann "ganz nach oben" zu kommen. Die Bühne - dafür lebt er! Durch die Bühne atmet er. Der Applaus gibt ihm recht. Er genießt es. Daraus hat er auch nie einen Hehl gemacht. Und ich möchte hinzufügen, daß er geradezu dafür geboren wurde. Doch ein "Rote-Teppich-Junkie" ist er nicht. Da fühlt er sich nicht zu Hause. Und Zuhause ist er überall. Da, wo seine Koffer sind. Österreich ja. Kenia ja. Aber auch gerne immer und überall. Bis die Akkus leer sind. Dann taucht er ab. Um sie wieder aufzuladen. Ein ewig Weltreisender. Einen Klaus Eberhartinger kann man nicht halten. Er braucht seinen Auslauf. Das Getrieben-Sein. Und dann ist man überrascht, daß er plötzlich ganz still ist. Innehält. Wie ein in sich ruhender Buddha. Dann kann er auch genauso lächeln. Dann ist er nah. Mit der Nähe, die er zulassen kann und will. In diesem Augenblick.

 

Ist er ein Ästhet? Ein Perfektionist? Ich vermute ja. Und kritisch auch. Auch sich selbst gegenüber. Er versteht es sich zu kleiden. Ein paar Ausrutscher seien ihm verziehen. Vielleicht hatte es ihm gefallen! Lieblingssachen hat er. Trägt er immer wieder. Er könnte auch Model sein. Ist wahrscheinlich nicht sein Ding. Aber er kann Stimmungen transportieren. Auch durch seine Körpersprache. Ein Bildband mit ihm wäre eine Reise durch sämtliche Facetten seines (Künstler)-Seins und "näher dran" an dem Eberhartinger, als ihm vielleicht lieb ist. 

 

Er redet viel, gern und schnell. Aber man hört ihm zu. Weil er was zu sagen hat. Er versteht es scheinbar mühelos "Belangloses" mit "Anspruchsvollem" zu mischen. Bewegt sich wie ein geschmeidiger Puma zwischen diesen beiden Disziplinen. Kaschiert auch schon einmal mit seinem charmanten Lachen die ein oder andere Unsicherheit. Von Beruf sei er "Gaukler" hat er neulich in einem Interview gesagt.  

 

Manchmal macht sich sein Mundwerk selbstständig und dann hat der Klaus vergessen den Eberhartinger oder der Eberhartinger den Klaus zu fragen. Passiert! Er ist Mensch. Menschen machen Fehler.

  

Kein wirklich objektiver Text, den ich hier verfaßt habe. Wobei Objektivität ja ohnehin nie wirklich gelingen kann, weil selbst die größte Objektivität im Detail doch wieder nur eine Subjektivität darstellt. Und deshalb sei ganz menschlich am Ende dieses nicht-objektiven Textes vermerkt:

  

Klaus, vielen Dank für die tollen, nachdenklichen, lustigen und magischen Momente, die Du uns allen bisher geschenkt hast. Also bleib' so wie Du bist und werde noch so, wie Du sein willst!