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Dietmar Lipkovich

www.gib-mir-musik.at

 

Klaus Eberhartinger - Der Sänger

 

 

Klaus Eberhartinger, Gmunden 2013 (EAV-Konzert)

 

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Mit freundlicher Genehmigung von

Peter Sommer

www.fotopress-sommer.at

 

"Afrika". "Geld oder Leben". "Märchenprinz". "Sandlerkönig Eberhard". "Eierkopf-Rudi". "Im Himmel ist die Hölle los". "Morgen". "s'Muaterl". Und unzählige andere.

 

Wunderbare Songs. Liedgut der ganz besonderen Art. Anders. Sehr kreativ.

In diesem Bericht geht es aber einmal nicht um die aussagekräftigen Texte, die Produktion, die Musik, die Melodien, mit denen ganz viele Menschen ihre Kindheit und Jugend verbracht haben. Nein, es geht um die Stimme. Um den Gesang. Um die gesangliche Interpretation.

 

Bei einigen von den oben aufgeführten Liedern, habe ich früher oft gedacht, daß es sich um mehrere verschiedene Sänger handelt. Nur vom Hören her. Zu unterschiedlich die Stimmlage, die Intonation und das Gefühl, welches bei mir ankam. Natürlich wußte ich ab einem bestimmten Zeitpunkt, daß all diese Songs von einem einzigen Sänger gesungen wurden. Dennoch konnte ich es oft nicht wirklich glauben. Mußte manchmal zwei-dreimal meine hochinteressierten Ohren in Richting Lautsprecher aufstellen und sensibilisieren. Das ist schon Kunst. Es gibt viele gute Sänger, auch mittelmäßige und auch welche, die vielleicht in ihrem Job nicht ganz richtig sind.

Dieser Sänger, Klaus Eberhartinger, war und ist für mich eine kleine "Stimmen-Sensation". "Stimmen", im wahrsten Sinne des Wortes. Beim Singen schlüpft Klaus in so viele unterschiedliche "Stimmen-Charaktere", daß der Eindruck entsteht, eine Ansammlung von vielen verschiedenen Menschen, erzählt mehrere eigene Geschichten. Lustige, traurige, nachdenkliche und humorvolle Geschichten. Es ist nicht wichtig, ob immer und zu jeder Zeit wirklich jeder Ton "getroffen" wird (soetwas gelingt fast keinem Sänger in seiner ganzen Laufbahn), sondern entscheidend ist, was dabei rüberkommt. Was es bei dem Zuhörer auslöst.

Daß Klaus 2002 eine Kehlkopfoperation hinter sich gebracht hat, ist dem Sänger heute nicht mehr anzuhören.

 

Klaus Eberhartinger ist der Sänger und Frontmann der österreichischen Band EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung). Wer das Songmaterial dieser in keine-Schubladen-passenden-Band kennt, weiß jetzt bestimmt gleich, was ich meine. Bei "Afrika" klingt die Stimme von Klaus bis heute für mich, mit dem heutigen Klaus verglichen, eher "Klaus-fremd". Er singt diesen sehr ironischen "Touristen-Song" mit einer gehörigen Portion "Dummheit", fast trottligen Ignoranz. Von seiner Mimik möchte ich gar nicht schreiben, obwohl man sie einfach "hören" kann, ohne sie zu "sehen".

Klaus schafft es ein buntes Kopf-Kino in Gang zu bringen. Einen kleinen Film, den ich visualisieren kann, zu erzeugen. Das ist eine Kunst. Das muß ein Sänger schaffen. Manche schaffen es. Manche nicht. Klaus Eberhartinger, der Sänger, ist in der Lage, die Inhalte und Stimmungen so zu transportieren, daß sie lebendig werden. Sie werden zum Leben erweckt. Bekommen Gesichter, Figuren. Entführen in eine andere Realität. Nehmen mit auf eine musikalische Reise.

 

Ist es Dir beim Hören der einzelnen Songs nicht auch so gegangen, daß Du Dir das Gehörte wie eine bunte Bildergschichte vorstellen konntest? Na gut, manche Menschen träumen ja auch in schwarz/weiß. Egal. Aber es sind Bilder. Farbig oder schwarz/weiss. Sie entstehen. Suchen sich ihren Weg. Zum Beispiel wie der vermeintliche eitle "Märchenprinz" aussieht? Aussehen könnte? Oder die süße und leicht wahnsinnige Verzweiflung bei "Liebe, Tod & Teufel". Der Inhalt des Liedes ist durch Text, Musik und die gesangliche Umsetzung zu dieser Geschichte geworden. Anders interpretiert hätte der ganze Song auch einen anderen Charakter bekommen. Ein guter Sänger ist auch immer ein guter "Geschichten-Erzähler".

 

Klaus Eberhartinger, Gmunden 2013 (EAV-Konzert); Foto: Peter Sommer

 

Wenn er dann jedoch "Geld oder Leben" singt, hätte ich mir vorstellen können, daß er sogar in den klassischen Bereich hätte eintauchen können. Beim "Märchenprinz" gibt er sich stimmlich eitel und interpretiert den Inhalt des Textes mit so viel Witz und Selbstverständlichkeit eines vermeintlichen Märchenprinzen, daß man ihm jedes Wort glaubt. Und anfängt, wie oben schon erwähnt, sich bildhaft auszumalen, wie dieser "Märchenprinz" wohl aussieht. Was das wohl für ein Typ ist? Welche Klamotten trägt so ein männliches Geschöpf? Und will ich das eigentlich überhaupt wissen? Zu spät, denn der Film im Kopf ist schon entstanden.

 

Die Facetten und Spannbreiten, die Eberhartinger aufzuweisen hat sind außergewöhnlich vielschichtig. In einem Interview äußerte er sich einmal, daß er ja "nicht der beste Sänger sei". Es kommt jedoch ganz darauf an, wie man einen "besten Sänger" definieren möchte. Für mich ist ein "bester Sänger", der, der mich entführen kann. Einer, der mich berühren kann. Einer, dem ich in dem Augenblick glaube, was er da singt. Einer, der so viele Stimmen interpretieren kann, daß ich auch ein Stück "hilflos" zuhöre, weil ich gerade schon wieder überlegen muß, ob er das nun ist oder nicht. Dieser Eberhartinger. Dieses Handwerk beherrscht er. Zweifellos.

Bei "Eierkopf-Rudi" zeigt er seine rockige Variante. Er meint es ernst. Singt eine klare Ansage. Wütend, mahnend, ironisch. 

 

"Küß die Hand Herr Kerkermeister". Damals glaubte ich nicht, daß das auch der Klaus singt. Das schien mir unmöglich. "Märchenprinz", "Fata Morgana" und dann der "Kerkermeister"? Nein! Niemals! Wäre ich Millionärin gewesen und hätte mit meinem "Nein" darauf gewettet, so wäre ich heute pleite. Ärmer wie eine Kirchenmaus. Obwohl ich nicht einmal weiß, ob eine Kirchenmaus wirklich "arm" ist.

 

Den rührigen, eigentlich traurigen "Sandlerkönig Eberhard", möchte ich ebenfalls in diese Rubrik einordnen. Es kann nicht besser gesungen werden. Höchstens anders. Live singt er diese Geschichte meistens noch einmal viel ausdrucksstärker, als auf CD oder Platte. Wenn er in richtig guter Form ist, dann ist er live noch viel näher dran am Zuhörer und seinen Empfindungen. Hochprofessionell und präsent. Oft hat er schon nach wenigen Minuten das Publikum im Griff. "Die Stimme geht richtig tief unter die Haut", sagte mir eine Frau direkt nach dem Berlin-Konzert am 02.11.2012 auf dem Weg nach draußen.

 

Die gefühlvolle Seite des Sängers Eberhartinger kommt bei "s'Muaterl" sehr schön zum Vorschein. Die Stimme klingt warm und empathisch. Viele Menschen berührt dieses Lied noch heute. Nicht nur wegen des wunderbaren auf den Punkt gebrachten Textes und der Musik, sondern auch wegen der Stimme. Es ist ein gelungenes Gesamtpaket.

 

Tja, und dann... "Im Himmel ist die Hölle los." Ja. Hier singt "der Teufel" höchstpersönlich. Infernalisch. Und den Pferdefuß im Gepäck. Mit einem Schmunzeln und zu dem zu Eis gefrorenem Blut in den erstarrten Adern. Andere Worte fallen mir dazu nicht ein. War dieser Sänger nicht gerade noch ein Engel?

Und das ist Klaus Eberhartinger - der Sänger.

Vielschichtig, facettenreich, nicht greifbar.

 

"Es tut weh und es tut gut", singt er mit einer reifen und tiefen Ernsthaftigkeit auf dem Album "Frauenluder" von 2003.

 

 

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